Newsflash April 2020

Liebe Leserin, lieber Leser

Die Beratungsstelle Unterrichtsentwicklung und Lernbegleitung (schul-in) unterstützt Sie in Zeiten von Unterricht im Distanz-Modus.
Gerne informieren wir Sie über untenstehendes Angebot. Detaillierte Informationen zu unserer Arbeit finden Sie immer auch auf unserer Website www.schul-in.ch

AKTUELL: Lerncoaching im "Distanz-Modus"


Beratungsangebot zu Lerncoaching im Distanz-Modus

Sie möchten pädagogische Beziehungen zu Ihren Schülerinnen und Schülern auch im Distanz-Modus aufrechterhalten und produktiv gestalten.

Wir beraten Sie. Kontaktieren Sie Jörg Giacomuzzi und vereinbaren Sie einen Telefontermin. 

Lerncoaching im "Distanz-Modus": Pädagogische Beziehungen auch im Distanz-Modus aufrechterhalten!


Unterricht im Distanz-Modus

Aktuell können Lehrpersonen ausschliesslich einen Unterricht im „Distanz-Modus“ anbieten. Damit verbunden sind grosse Herausforderungen:

  • Welche Lernmaterialien werden zur Verfügung gestellt?
  • Wie kann Lernmaterial so differenziert werden, dass es für unterschiedliche Kompetenzniveaus passt?
  • Wie können Lernende beim selbstständigen Lernen unterstützt werden?
  • Wie kann Lernmotivation auf Distanz befördert und gestärkt werden?
  • Wie können Interaktionen innerhalb der Klasse oder zwischen einzelnen Schülerinnen und Schülern angeregt und unterstützt werden?
  • Wie können Lehrpersonen ihr Interesse an ihren Schülerinnen und Schüler und an deren Lernen signalisieren?
  • Wie können Lernbemühungen, Lerneinsätze, Lernleistungen und insbesondere eigene Lernideen und Lernerfolge gewürdigt werden?
  • Wie können Lernfortschritte wahrgenommen, sichtbar gemacht und wertschätzend kommentiert werden?
  • Wie kann die Klassengemeinschaft als soziale Gemeinschaft aufrechterhalten werden?
  • Wie gelingt es, zu erfahren, wie die Schülerinnen und Schüler ihre neuen Lernerfahrungen erleben?
  • Wie können Lehrpersonen im Distanz-Modus positive pädagogische Beziehungen pflegen?
  • Wie gelingt es Lernende zu erreichen, bei denen der „Faden“ zur Lehrperson abzubrechen droht?
  • Wie können für die Klasse bis anhin kultivierte und für den Zusammenhalt wichtige Rituale weiter gepflegt werden?


Die pädagogische Beziehung im Distanz-Modus pflegen

Im Gegensatz zu Lerncoaching im Unterricht findet Lerncoaching im „Distanz-Modus“ in einem virtuellen Raum statt. Das bedeutet, dass viele für das Lernen wichtige Interaktionen zwischen Lehrenden und Lernenden nun eingeschränkt sind und dadurch eine erhöhte Aufmerksamkeit erfordern.

Wie aber können Lehrerinnen und Lehrer im virtuellen Raum zu ihren Lernenden eine lernförderliche pädagogische Beziehung gestalten, so dass Schülerinnen und Schüler auch unter „erschwerten Bedingungen“ motiviert lernen und arbeiten können?

Die sogenannte Selbstbestimmungstheorie zur Motivation (E. L. Deci und R. M. Ryan) kann hier eine Grundlage sein, um auch im virtuellen Raum einerseits pädagogische Beziehungen professionell zu gestalten und andererseits auf die Motivationslage der Lernenden positiv einzuwirken.

Viele Studien zur Selbstbestimmungstheorie weisen darauf hin, dass Menschen motiviert(er) und interessierter sind, wenn drei grundlegende menschliche Bedürfnisse berücksichtigt werden: Kompetenzerleben, Erleben von sozialer Eingebundenheit und Autonomieerleben.

Im Distanzmodus ist es besonders herausfordernd, diese Aspekte angemessen zu berücksichtigen.


Tipps und Empfehlungen

Im Folgenden werden Tipps und Empfehlungen vorgeschlagen, die schrittweise umgesetzt werden können.

Kompetenzerleben: Schülerinnen und Schüler engagieren sich aktiver und bleiben länger dran, wenn sie beim Lernen bedeutsamer Lerninhalte erleben, dass sie „es“ können. Lernanlässe sollen es Schülerinnen und Schülern also ermöglichen, sich kompetent zu erleben (Ermöglichungsdidaktik, Rolf Arnold). Zudem brauchen Schülerinnen und Schüler eine „Bühne“, auf der sie zeigen können, dass sie es können und andere das sehen.

  • Über das eigene Lernen nachdenken (im Lernjournal: Was habe ich heute unerwartet, nebenbei, ohne Absicht gelernt? Welche meiner Stärken konnte ich heute besonders gut nutzen? Wofür? Was von dem, was ich heute gemacht habe, ist für mich/für andere wichtig/wertvoll?)
  • Lernfortschritte dokumentieren (im Lerntagebuch, im Lernportfolio, im Lernordner usw.)
  • Wertschätzende, lernförderliche und vor allem spezifische Rückmeldungen zu Lernbemühungen, Lernprozessen und Lernergebnissen geben
  • Lerncoaching per Telefon oder Videochat: Die Schülerinnen und Schüler exemplarisch eine Aufgabe beim Telefongespräch oder per Video laut lösen lassen, mit Geduld zuhören und Lernunterstützung sowie Lernfeedback anbieten
  • Persönliche Tagesziele anregen und die Schülerinnen und Schüler dazu ermutigen, diese zu dokumentieren (ev. auf eine spannende bzw. originelle Weise)
  • Die Förderung von Handlungskompetenzen unterstützen (z.B. Mithilfe in der Küche oder im Haushalt) und in den Wochenplan aufnehmen. Die Schülerinnen und Schüler darin bestärken, zu Hause Mitverantwortung zu übernehmen
  • Jemandem von der Familie etwas zeigen, worauf man stolz ist. Dokumentieren
  • Jemandem von der Klasse etwas beibringen „Ich kann gut …“. Im Videochat Peercoaching für … einrichten (Schülerinnen und Schüler beraten Schülerinnen und Schüler)
  • Ein Foto von einem Werk, eine Tonaufnahme eines Liedes, ein Video einer Turnübung usw. herstellen
  • Ein Erklärvideo über ein Hobby herstellen

Erleben von sozialer Eingebundenheit: Schülerinnen und Schüler haben einen sicheren Platz innerhalb der Klasse. Sie sind Teil der Gruppe, können sich hier einbringen und ihr Beitrag wird geschätzt. Das Klima ist geprägt von gegenseitigem Wohlwollen und gegenseitiger Wertschätzung. Konflikte werden angesprochen und gemeinsam geklärt. Dann engagieren sie sich mehr, spüren sich von anderen „gesehen“ und angenommen.

  • Regelmässige Kontakte gestalten (zu immer gleichen vereinbarten Zeiten) mit authentischen Signalen für das Interesse an der Situation des/der Schüler/in und Abmachungen als positive und motivierende Vorausschau, was beim nächsten «Treffen» besprochen, nachgefragt, ausgetauscht werden könnte (Telefon, Videokonferenz, Mail, Brief usw.)
  • Briefe oder Mails schreiben (auch unvereinbart)
  • Video- und/oder Chat-Zeiten vereinbaren
  • Vorlesezeiten im Wochenverlauf einrichten (Kindergarten-/Primar-/Sekundar-Lehrpersonen lesen aus einem Buch vor oder Schülerinnen und Schüler lesen vor)
  • Zeitfenster für telefonische «Sprechstunden» anbieten
  • Einmal pro Woche ein Zeitgefäss festlegen, in dem die ganze Klasse eine gemeinsame Aufgabe bearbeitet (z.B. ein Rätsel lösen, ein Strategiespiel)
  • Lernaufgaben stellen, die eine Interaktion unter Schülerinnen und Schülern erfordern (z.B. innerhalb der Klasse jemandem eine Nachricht schreiben, eine Frage stellen, telefonieren)
  • Digitale Interaktionen innerhalb der ganzen Klassen ermöglichen (Umfrage z.B. mit Mentimeter zur Befindlichkeit, Lernmotivation usw.)
  • Videokonferenzen oder Chats in Gruppen zu 4-6 Schüler/innen nutzen
  • Ein elektronisches Klassentagebuch verfassen
  • Schülerinnen und Schüler dazu anregen, trotz Distanz miteinander in ‚Kontakt‘ zu treten (via Skype, Telefon, Brief etc.) und einen regelmässigen Austausch zu etablieren (Reihenfolge des „Rundtelefons“ variieren). Bei älteren Schülerinnen und Schülern tägliche Austauschgefässe anregen
  • Formen finden, in denen Klassenrituale auch in anderer Form weiter gepflegt werden können
  • Bei Schüler/innen, die sich kaum melden, weiterhin im Kontakt bleiben
  • Angebote für telefonische «Sprechstunden»
  • 3er- oder 4er-Gruppen bilden für Telefonkonferenzen (Gruppencoaching). Hier darüber sprechen, wie man seinen Tag strukturiert. („Was ist mir im Tagesablauf wichtig?“, „Wie gehe ich mit Langeweile um?“, „Wie geht es mir ohne meine „Gspänli?“ usw.)
  • Einmal in der Woche jemanden aus der Klasse im Quartier „besuchen“ (2 m Abstand)
  • In Gruppen einen Anlass für die ganze Klasse vorbereiten für die Zeit nach „Corona“ (ein Klassenfest, eine Schulreise usw.

Autonomieerleben: Haben die Schülerinnen und Schüler eine echte Wahl, können sie mitbestimmen, wie sie allenfalls was lernen sollen. Wenn Lernende sich autonom fühlen, bearbeiten sie auch Aufgaben, die sie weder über- noch unterfordern sondern herausfordern. Autonomie heisst auch, den Lernenden vertrauen und ihnen zuzumuten, dass sie es können. Können sie ihre Interessen einbringen beim Lernen, sind sie motivierter.

  • Offene Lernaufgaben stellen, die zu individuellen Bearbeitungen einladen
  • Aufgaben zur Verfügung stellen, die eine Wahl ermöglichen
  • Nach eigenen Entdeckungen, Beschäftigungen (im ausserschulischen Lernen) fragen
  • Eigene Aufgaben, Spiele erfinden lassen
  • Zu freien Tätigkeiten anregen (z.B. Vertiefung von eigenen Interessen und Zeit für Hobbys), dafür Zeit im Wochenplan vorsehen und diese Tätigkeiten der Schülerinnen und Schüler bewusst wertschätzen
  • Eigene Ziele setzen lassen und wo möglich Unterstützung (Lernmaterial, Coaching) bei der Zielerreichung bieten
  • Möglichkeiten bieten, dass Schülerinnen und Schüler ihre Ideen für die weitere Ausgestaltung des Lernens im Distanzmodus einbringen können
  • Rückmeldung bei den Schülerinnen und Schülern einholen, wie sie ihre Lern- und Arbeitstage organisieren. Dazu einen Austausch in Untergruppen in einer Videokonferenz organisieren, um Bewährtes zu benennen
  • Aufgabenstellungen für forschendes Lernen: Such dir einen Baum, Strauch in deiner Umgebung und fotografiere den Wachstum jede Woche zur selben Zeit
  • Zeige etwas, was du diese Woche das erste Mal gemacht hast

 

Redaktion Newsflash schul-in

Fachhochschule Nordwestschweiz
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